df-Interview | Ute Ketelhake
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Ein paar Fragen an ...


  Ute Ketelhake

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Second Life Rugs
Teppiche





Wie begann Dein Weg als Designerin ?

Eigentlich wollte ich Journalistin werden, aber ich liebe es zu gestalten: Dinge, das Umfeld in dem ich lebe, gesellschaftliche Zusammenhänge. Für das Fach Textil-Design habe ich mich wahrscheinlich auch entschieden, weil ich durch meine Mutter, die Handweberin war, schon auf diese Fährte gebracht wurde.



Was gefällt Dir ganz besonders am Designberuf ?

Ich finde den Urheberprozess sehr spannend, also etwas was in meinem Kopf entstanden ist, real werden zu lassen und es ist für mich eine Herausforderung intelligente Produkte zu gestalten.
Schon im Studium in den Achtzigern habe ich mich mit Recycling Design beschäftigt und versucht Wege zu finden, wie man als Designer intelligente, nachhaltige Produkte erfinden kann und nicht nur immer neue Produkte. Damals war Upcycling noch unpopulär, weil man sich noch nicht so viele Gedanken über „Ressourcen schonen“ machte wie heute. Aufgegriffen habe ich die Upcycling-Thematik auch als Hochschuldozentin für Textil-Design, z.B. habe ich den StudentInnen Industriereste aus einer Seidenweberei mitgebracht und sie daraus neue Produkte entwickeln lassen. Ein anderes Seminar hatte das Thema "Armut macht erfinderisch". Auch hier sollten Produkte aus schon bestehenden Materialien entwickelt werden.



Wo liegen derzeit Deine Arbeitsschwerpunkte und welche Tätigkeiten interessieren Dich darüber hinaus ?

Ich bin gerade dabei, die 'Second Life Rugs' zu etablieren, das bedeutet sehr viel Öffentlichkeitsarbeit, Internetpräsenz, Messen, Beiträge in Zeitschriften, Materialbeschaffung, aber auch neue Teppichkreationen. Damit habe ich zur Zeit alle Hände voll zu tun.



An welches Deiner Produkte/Projekte/Konzepte erinnerst Du Dich gerne und warum ?

Für die 'Second Life Rugs' bin ich 2013 mit dem Bundespreis 'eco-design 2013' für die Kategorie Produkt ausgezeichnet worden www.bundespreis eco-design.de/Preisträger. Das bedeutet mir sehr viel, weil meine Arbeit und mein Konzept damit gewürdigt wurden und große Anerkennung erfahren haben. Gerade, wenn man am Anfang steht ist das eine sehr, sehr große Unterstützung und ein Antrieb weiter zu machen.




Second Life Rugs
Lana Cotta 1


Second Life Rugs
Lana Cotta 2


Second Life Rugs
Lana Cotta 3

Was inspiriert Dich ?

Das Beobachten von Menschen, Probleme, die gelöst werden wollen, Stadtleben, Landleben, Filme, Mode inspirieren mich. Ich beobachte, wie meine Mitmenschen miteinander, mit ihren Kindern, mit Produkten umgehen, was sie in ihren Einkaufswagen haben, und frage mich: was brauchen sie wirklich, wie kann man etwas organisieren oder verbessern, vernetzen…



Was macht für Dich die Qualität eines gut gestalteten Produktes aus ?

Gute Qualität hat ein Produkt, wenn gute Gestaltung, Ökologie und nachhaltige, sozial verträgliche Herstellung in diesem Produkt vereint sind. Ein Produkt hat außerdem eine gute Qualität, wenn es zum Lieblingsstück wurde, von dem der Besitzer sich nicht mehr trennen möchte. Und: gutes Design ist, wenn man nicht sieht, dass gestaltet wurde.



Für welche gesellschaftlichen Ziele und Projekte interessierst Du Dich als Designerin oder als Privatperson ?

Themen wie „Cradle-to-cradle” oder „closed loop” interessieren mich sehr. Das heißt, dass auf zyklische Ressourcennutzung Wert gelegt wird und Produktionsweisen am Erhalt geschöpfter Werte ausgerichtet sind. Die Materialien sind dabei rückstandsfrei wiederverwertbar. Oft wird mit dem Begriff „Ressourcen schonen” „frierend im Dunkeln sitzen” assoziiert. Mir ist es wichtig deutlich zu machen, dass Nachhaltigkeit nicht zwangsläufig Verzicht oder Einschränkung bedeutet, sondern Opulenz und Luxus. Dies versuche ich mit meinen Teppichen zu transportieren. Auch sind mir gute Ernährung und ethisch korrekte Lebensmittelherstellung und Tierhaltung sehr wichtig, ebenso gute Schulen sowie menschen- und tierfreundliche Technologien.



Welche Designerin schätzt Du besonders und was begeistert Dich an ihr ?

Die Professorin Hanne-Dore Bickerich, bei der ich mein Diplom gemacht habe und mit der ich später zusammen an der Hochschule gearbeitet habe. Ihre den Menschen zugewandte und wohlwollende Art und ihre fachliche und soziale Kompetenz hat hunderte von StudentInnen geprägt und zu verantwortungsvollen Designern gemacht.



Was tust Du noch gerne ?

Zum Ausgleich koche ich gerne, mache Gartenarbeit und lerne Italienisch. Was ich toll fände, wäre ein Debattierclub in der Nähe, wo berufsübergreifende Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutiert werden.



Hast Du gerade einen tollen (Buch-)Tipp oder ein aktuelles "Fundstück" ?

Harald Welzer, Selbst denken – Eine Anleitung zum Widerstand.



Welchen Rat würdest Du heute Designerinnen zum Berufseinstieg geben ?

Ich würde ihnen raten, sich nicht vom Image des Designers, oder dem interessanten Studium verführen zu lassen, sondern vorher zu schauen, wie die Berufswirklichkeit aussieht und ob ihnen der Berufsalltag liegt, der sich ja auch sehr viel in Industrieunternehmen abspielt. Denn wirklich gestalten können später im Beruf die wenigsten, die meisten liefern zu oder führen aus.



Kontakt

www.secondliferugs.com

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Interview 05 / 2014

 

 



 
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