df-Interview | Susanne Bodendörfer
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Ein paar Fragen an ...


  Susanne Bodendörfer

Lübeck

Bodendörfer | Kellow GbR
Grafik-Design, Verlag





Wie begann Dein Weg als Designerin ?

Bereits als Kind habe ich mich künstlerisch betätigt und mit Vorliebe Comics gezeichnet. Ich gewann einen regionalen Malwettbewerb und hatte stets gute Leistungen im Schulfach Kunst. Die schlechteren Leistungen, z. B. in Chemie, glich ich durch besonders schön gestaltete Arbeitsmappen aus! Ganz klar entschied ich mich daher für Kunstleistungskurs und Kunst als Abiturfach und absolvierte die Praktika in Messe- und Ladenbau und in einer Siebdruckerei. Direkt nach dem Abschluss ergatterte ich einen Studienplatz in Grafik-Design an der HBK Braunschweig und konnte dort auch in angrenzende Disziplinen wie Freie Kunst hineinschnuppern. Während dieser Zeit absolvierte ich Praktika bei einer Tageszeitung und bearbeitete gemeinsam mit einer Kommilitonin erste kleine Aufträge. Meine erste Stelle als Grafik-Designerin hatte ich am Staatstheater Braunschweig (Mutterschaftsvertretung), danach arbeitete ich in einem Druckereikollektiv in Essen.

Die grafische Gestaltung des „Umweltatlas Niedersächsisches Wattenmeer“ war das erste große freiberufliche Projekt. Dieses war zwar erfolgreich, stellte sich jedoch leider – für mich – als finanzielles Desaster heraus...



Was gefällt Dir ganz besonders am Designberuf ?

Ich finde es spannend, aus einem wilden Sammelsurium von Texten, Zahlen und Bildern eine einheitlich gestaltete Publikation zu schaffen. Der Prozess vom Entwurf bis zum fertigen Produkt ist häufig anstrengend, aber es ist befriedigend, an der Entstehung vom Anfang bis zum Ende beteiligt zu sein. Positiv finde ich auch, mit vielen unterschiedlichen Disziplinen in Kontakt zu kommen (Wissenschaft, Kultur, Politik).



Wo liegen derzeit Deine Arbeitsschwerpunkte und welche Tätigkeiten interessieren Dich darüber hinaus ?

Gemeinsam mit Maysun Kellow führe ich seit 2003 ein Grafik-Design Büro mit Hauptsitz in der Lübecker Essigfabrik. Schwerpunkt bilden Print-Produkte, die wir mit zwei Angestellten und mehreren freien MitarbeiterInnen wie LektorInnen, Technikern, IllustratorInnen etc. bewältigen.

Meine Schwerpunkte sind Entwurf, Reinzeichnung und Produktionsabwicklung von Printprodukten wie Flyern, Broschüren, Magazinen, Ausstellungsdisplays und -katalogen. Hauptsächlich betreuen wir einen Kundenstamm, der im Bereich Unfallprävention und häusliche Pflege tätig ist. Dieser bildet unsere finanzielle Basis. Die letzten größeren Projekte, an denen wir uns darüber hinaus als Team beteiligt haben, waren eine Ausstellung über Lübeck im 1. Weltkrieg, der Kultursommer Werenzhain und ein mehrsprachiges Willkommenspaket (CI, Mappe, Broschüre, Give-Aways) für MigrantInnen in Lübeck.        

Außerdem begeistern mich Musik, Architektur, Interior Design, Malerei, Illustration, Fotografie – einiges davon betreibe ich selbst auch praktisch.

Derzeit genieße ich es, genügend Muße zu haben, mich mit anderen als beruflichen Angelegenheiten zu beschäftigen, z. B. mit spirituellen/philosophischen Themen wie dem tibetischen Buddhismus, Yoga und Meditation.



An welches Deiner Produkte/Projekte/Konzepte erinnerst Du Dich gerne und warum ?

Im Laufe meiner Berufstätigkeit haben wir immer wieder Ausstellungen für die Lübecker Museen gestaltet. Ich empfinde es als bereichernd, sich in dem Kontext des Weltkulturerbes zu bewegen, sich in den alten Gebäuden aufzuhalten und in Kontakt mit den beteiligten Wissenschaftlern, Autoren und dem Museumspersonal sowie einer kulturell interessierten Öffentlichkeit zu sein.




Broschürenserie zum Thema „Sexualisierte Gewalt am Arbeitsplatz“ für die Stiftung Alsterdorf


„Willkommen in Lübeck“, mehrsprachiges Willkommenspaket (Broschüre, Mappe, Schreibblock, Kuli, Stadtplan) für Flüchtlinge und Asylsuchende für die Stadt Lübeck


Broschüre für das Filmfest „12-13° Ost“

Was inspiriert Dich ?

Es gibt viele sehr unterschiedliche Dinge, die mich inspirieren, z. B. eine Tasse Tee am Morgen oder ein blühender Baum im Frühjahr. Aber auch der Austausch mit anderen Menschen, mutige Menschen, die etwas bewegen oder Ungewöhnliches wagen, Arbeiten von KollegInnen, Reisen, Fachliteratur, Natur, Bücher, Musik, Filme, Kunst, Philosophien, freiheitliche Denkansätze. Immer wieder anregend finde ich auch alles Unfertige oder Revolutionäre und Unangepasste oder Experimentelle, wie etwa Punk oder Alternativ-/Subkultur.



Was macht für Dich die Qualität eines gut gestalteten Produktes aus ?

Ein gut gestaltetes Produkt ist für mich zeitlos, haltbar, ökologisch vertretbar, recyclebar, einfach und klar. Im Grafik-Design bedeutet das für mich, dass Informationen gut verständlich und lesbar aufbereitet werden, die Gestaltung die Inhalte unterstreicht oder verdeutlicht und zielgruppengerecht kommuniziert wird. Das bedeutet manchmal auch, dass man sich ggf. von seinem eigenen Stil/Geschmack distanzieren muss. Wir stehen in engem Kontakt mit unseren KundInnen und legen großen Wert auf die Kenntnis ihrer Wünsche, Ideen und Einwände, um diese bei der Gestaltung zu berücksichtigen.



Für welche gesellschaftlichen Ziele und Projekte interessierst Du Dich als Designerin oder als Privatperson ?

Inhalte, die ich gestalte, möchte ich vertreten können, wie etwa frauenrelevante Themen, Gleichberechtigung, Ökologie, Kulturelles und Soziales. Seit jeher betreuen wir u. a. KundInnen aus den Bereichen Gleichstellungsstellen, Kultureinrichtungen, Migration, häusliche Pflege etc., für die wir z. T. auch ehrenamtlich tätig sind. So pflege ich u.a. Sprachpartnerschaften mit geflüchteten Frauen/Kindern. In unseren Räumlichkeiten zeigen wir wechselnde Ausstellungen, derzeit eine Posterausstellung zur Flüchtlingssituation.
Darüber hinaus spenden wir an unterstützungswerte Initiativen und Einrichtungen wie z.B. Bildwechsel, medica mondiale, Plan oder zuletzt arche noVa.



Welche Designerin schätzt Du besonders und was begeistert Dich an ihr ?

Katell Gélébart macht aus Müll tolle Sachen, Vivienne Westwood hat den Punk gesellschaftsfähig gemacht etc. Grundsätzlich bin ich aber vorsichtig, wenn es darum geht, Einzelpersonen zu verehren und Gurus zu installieren. Meistens ist gute Arbeit das Ergebnis einer Kooperation, so wie etwa eine Symphonie erst aus dem Zusammenspiel von vielen einzelnen Solisten zu einem Kunstwerk wird.



Was tust Du noch gerne ?

Singen (Chor), Musik auflegen (DJ), in der Natur sein, Fahrrad fahren, Ausflüge machen, reisen, kulturelle Veranstaltungen besuchen, tanzen, malen, meditieren, Yoga betreiben, mit meinem Kater toben, Unternehmungen mit FreundInnen und Hund starten.



Hast Du gerade einen tollen (Buch-)Tipp oder ein aktuelles "Fundstück" ?

Gerade habe ich die Biografie von Lynsey Adarrio verschlungen: „Jeder Moment ist Ewigkeit – Als Fotojournalistin in den Krisengebieten der Welt“ (Econ). Eine inspirierende Frau, deren Geschichte so berührend ist wie ihre Fotografien.

Als Fachbuch das Infografiken-Buch „Deutschland verstehen“ (Verlag Gestalten): politische und gesellschaftliche Verhältnisse in Deutschland werden in diesem Buch verständlich und interessant aufbereitet.



Welchen Rat würdest Du heute Designerinnen zum Berufseinstieg geben ?

Ich würde empfehlen, dass sie Praktika möglichst während der Ausbildung machen, also praxisnah lernen, und in dem Bereich arbeiten, der passt und Freude macht. Immer auch über den Tellerrand schauen! Die Zeit zwischen Ausbildung und Berufseinstieg für Reisen und Abenteuer nutzen, möglicherweise hat man im späteren beruflichen Werdegang nie wieder so viel Zeit und Freiraum.



Kontakt

www.bo-ke.de

agd.de/netzwerk...

 

 



 
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