df-Interview | Angela Wiegand
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Ein paar Fragen an ...


  Angela Wiegand

München

Möbel-Design





Wie begann Dein Weg als Designerin ?

Als ich in den 70er Jahren nach einem geeigneten Beruf suchte, wusste ich nur so viel: Ich wollte weder rein theoretisch noch rein praktisch-handwerklich arbeiten. Ich wollte beides kombinieren. Architekten-Freunde rieten mir zum Design, das damals als Beruf kaum bekannt war. Als ich dann herausgefunden hatte was das denn war, hatte ich meine Richtung gefunden.
Im Industrial Design-Studium in Kassel war die Zeit noch sehr studentisch bewegt, es gab weder Studienplan noch Prüfungsordnung. Man musste sich aus dem Angebot seinen Schwerpunkt suchen, selbst entscheiden ob überhaupt, warum und wie man Design machen wollte. Das war zeitaufwendig, aber sehr erhellend. Ich begann mich schon damals für die ‚Sprache der Formen’ zu interessieren, ein Thema, das mich immer noch fasziniert.
In den ersten 3 Jahren selbständiger Arbeit als Möbel- und Ausstellungs-Designerin im Team mit Kollegen hatte ich die Erfahrung gemacht, dass von einem künstlerischen Anspruch wenig geblieben war. Ich konnte dann aber noch 2 Jahre lang in USA bei meinem Post Graduate-Studium an der Cranbrook Academy of Art, Michigan, meine Interessen sehr experimentell weiter verfolgen. Es gab dort mehrere Studenten mit Praxis-Erfahrung. Wir wussten, was für ein Privileg es war, noch mal studieren zu dürfen!
Nach der Baby-Pause trat ich 1992 ins df ein und war sehr froh, auf Verständnis zu stoßen für die besondere Herausforderung, Beruf und Kind zu vereinbaren. Und es war auch sehr anregend, sich wieder darüber austauschen zu können, was damals im Design aktuell war. Die Offenheit und Solidarität der Kolleginnen tat einfach gut.



Was gefällt Dir ganz besonders am Designberuf ?

Die Möglichkeit Dinge, Prozesse, Entwicklungen mit-zu-gestalten.



Wo liegen derzeit Deine Arbeitsschwerpunkte und welche Tätigkeiten interessieren Dich darüber hinaus ?

Als ich erfuhr, dass es eine computergestützte Kleinserien-Herstellung beim Schreiner in meiner Nähe gab, habe ich eine Tisch-Familie speziell für die CNC-Fräs-Technik entwickelt. Die Tische lasse ich herstellen und vertreibe sie selbst. Mittlerweile gibt es sie auch individuell digital bedruckt. Auf diese Weise kann ich mit dem Tisch auf den Raum Bezug nehmen, in dem er steht, oder auf die Menschen, die ihn benutzen. Er kann z.B. CI-gerecht ausgeführt sein für Firmen, Hotels wie auch Arztpraxen als Serie oder Einzelstück. Oder ganz individuell als Geschenk mit persönlichem Bezug, oder frei künstlerisch gestaltet.

Außerdem interessiere ich mich immer mehr für ökologisches Design. Ein Sitzmöbel-Entwurf aus einem – soviel ich bisher erfahren habe – nachhaltigen Material ist Ausgangspunkt für stetes Weiterlernen zu diesem komplexen Thema. Ich suche und finde dabei viele interessante Kontakte mit engagierten Persönlichkeiten.

Darüber hinaus macht es mir Spaß als Dozentin an der Akademie für Gestaltung (im Handwerk) und Design der HWK München tätig zu sein. Ich finde, es ist durchaus nicht einfach zu vermitteln, was Gestaltung in all ihren Aspekten sein kann.




CEPT Dekor, Weinhandlung.
Tuch mit eingewebtem Logo:
ein gedrucktes Trompe-l'œil.


CEPT Dekor, mit Schriftzug
‚CAPELLI Friseur’.


CEPT Dekor, individuell.


Was inspiriert Dich ?

Neue Technologien, neue Materialien, gesellschaftliche Entwicklungen, auch Veränderungen im Lebensstil bestimmter Gruppen, ungewöhnliche Lösungen in Architektur, Design, Kunst, auf der Bühne...
Auch althergebrachte Produkte neu zu interpretieren.



Was macht für Dich die Qualität eines gut gestalteten Produktes aus ?

„form follows Inhalt“, also kluge Konzepte, die alle wichtigen Aspekte einbeziehen:
menschliche bei der Nutzung der Möbel wie Sympathie, Praktikabilität, Ästhetik; ökologische für Material und Herstellung, praktische wie eine gute Balance von Aufwand und Nutzen...
Und natürlich die besondere, nicht banale Lösung. Begeisternd finde ich es, wenn ein Entwurf Poesie hat.



Für welche gesellschaftlichen Ziele und Projekte interessierst Du Dich als Designerin oder als Privatperson ?

Über mehrere Jahre habe ich mich mit df-Kolleginnen und Handwerkern im Vorstand des „Handwerk und Design e.V.” für eine sinnvolle Kooperation der beiden Berufsgruppen engagiert, derzeit im Vorstand des df für die Frauen im Design und privat in einem „Literatur-Kränzchen” mit ehemaligen Mitschülerinnen.



Welche Designerin schätzt Du besonders und was begeistert Dich an ihr ?

Eileen Gray natürlich. Was für ein Mut damals dazu gehört haben muss, als Frau so avantgardistisch zu arbeiten und sich damit durchzusetzen! Patricia Urquiola in der Art, wie sie sich durchgesetzt hat (ihre Entwürfe gefallen mir nicht); aus dem df z.B. Irmgard Sonnen, deren Grafik ich wunderbar sensibel und künstlerisch überzeugend finde...
Auch diese – männlichen – Designer möchte ich hier nennen: Achille Castiglioni, Michael Anastassiades, Issey Miyake, Robert Wilson...



Was tust Du noch gerne ?

Gute Gespräche mit meiner wunderbaren Tochter führen, Ideen und Absurdes mit ihr austauschen und zusammen lachen.
Mit guten Freunden Zeit verbringen, Yoga, Italienisch lernen, zeichnen, Beobachtungen aufschreiben, fotografieren, schauen, hören... 



Hast Du gerade einen tollen (Buch-)Tipp oder ein aktuelles "Fundstück" ?

Harald Welzer: „Selbst denken, eine Anleitung zum Widerstand”, S. Fischer Verlag. Uwe Schneidewind, Angelika Zahrnt: „Damit gutes Leben einfacher wird, Perspektiven einer Suffizienzpolitik”, oekom Verlag. Beide sehr lesenswert, vor allem das erste.

Oder:
Juhani Pallasmaa „The thinking Hand” (engl.), Wiley Verlag, beweist hervorragend wie unsere Sinne das Erleben und Denken prägen.

Oder ganz was anderes:
Pierre Bost „Ein Sonntag auf dem Lande”, Doerlemann Verlag (der zärtlich-humorvolle Blick eines alten Mannes auf seine erwachsenen Kinder und sein Verhältnis zu ihnen. Wunderbar fein- und eigensinnig!).



Welchen Rat würdest Du heute Designerinnen zum Berufseinstieg geben ?

Sich überlegen, was sie wirklich, wirklich, wirklich interessiert und reizt und (auf amerikanisch): go for it!



Kontakt

Angela Wiegand
Master of fine Arts CA, USA

www.angela-wiegand.de



 
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