df-Interview | Cornelia Feyll
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Ein paar Fragen an ...


  Cornelia Feyll

Kassel

Textildesign, Handweberei, Lehre





Wie begann Dein Weg als Designerin ?

Schon als Kind habe ich es geliebt mich durch die Tage zu basteln. Als Jugendliche brach ich dann die Schule ab um endlich was Vernünftiges tun zu dürfen: Das Weberhandwerk erlernen! Die ungeheure Befriedigung, die mit dem Erschaffen von Dingen und ihrer Gestalt einhergeht, ist mein Motor. Selber machen bedeutet immer auch, Dinge und Prozesse zu durchdringen und zu verstehen. Das konnte ich in meinem Textildesignstudium ausgiebig tun.



Was gefällt Dir ganz besonders am Designberuf ?

Die Freiheit etwas immer wieder anders machen zu können und die Herausforderung die damit einhergeht, nämlich andere Perspektiven und Denkstrukturen einzunehmen. So ist die Sicht auf die Welt (der Dinge) immer wieder neu.



Wo liegen derzeit Deine Arbeitsschwerpunkte und welche Tätigkeiten interessieren Dich darüber hinaus ?

Gestaltungsunterricht für Auszubildene und angehende Meister im Textilgestalterhandwerk. Entwerfen von Buchumschlägen, Reihenkonzeptionen, Farbprogramme, Materialwahl. Entwurf und Umsetzungsbegleitung von textilen Produkten für ein Hotel.
Zukünftig möchte ich wieder Produkte in Gewebetechnik für den Interiorbereich entwickeln. Gerne auch unter Aspekten der Nachhaltigkeit und sozialen Gerechtigkeit.



An welches Deiner Produkte/Projekte/Konzepte erinnerst Du Dich gerne und warum ?

Vertretungsprofessur für Textildesign an der Kunsthochschule Kassel. Speziell ein Projekt daß ich mit den Studierenden zum Thema "Textile Produkte aus regional erzeugter Wolle des Leineschafes" initiieren konnte. Der Landschaftspflegeverband Göttingen engagierte sich für die Wiederbelebung der Hüteschäferei. Ziel war die Erhaltung der vielgestaltigen Kulturlandschaft mit ihren blühenden Magerrasen, Obstwiesen und Weiden. Auf der anderen Seite ging es darum Produkte für einen sozialen Wirtschaftsbetrieb, die Handweberei Rosenwinkel, zu entwickeln. Die Studentinnen experimentierten auf dieser inhaltlichen Grundlage mit Rohwolle, verschiedenen Garnen und den Fellen des Leineschafes und diversen Herstellungstechniken. Da ich zu diesem Zeitpunkt auch noch in dieser Weberei als Produktentwicklerin tätig war, begleitete ich die studentische Arbeiten bis zur Produktionsreife und es haben sich einige gelungene markfähige Produkte für den sozialen Betrieb etablieren können. Das Zusammenbringen verschiedener Anliegen, Ideen und Menschen in diesem Projekt war anstrengend und erfüllend.




Nachwachsende Muster (handgewebtes Baumwollhohlgewebe, Grassamen, Erde, Wasser, Licht)

Was inspiriert Dich ?

Mit wachen Augen durchs Leben zu gehen. – Inspiration hockt überall.



Was macht für Dich die Qualität eines gut gestalteten Produktes aus ?

Funktion, Materialgerechtigkeit, Zweckmäßigkeit, Ehrlichkeit, Nachhaltigkeit, Sozialverträglichkeit + ein Quentchen Zauberei, damit es nicht fad wird.



Für welche gesellschaftlichen Ziele und Projekte interessierst Du Dich als Designerin oder als Privatperson ?

Nun, – ich bin im Vorstand des df. Hier engagiere ich mich gerade mit den anderen Vorstandsfrauen, um eine Debatte über Qualität im Design anzustoßen. Auf der letzten Tagung habe ich dazu einen kleinen Vortrag über die bisherige Geschichte der Design- und Qualitätsdebatte in Deutschland gehalten. Für das Weberhandwerk engagiere ich mich in einem anderen Verein und gebe dort zuweilen ehrenamtlich Workshops in Sachen Gestaltung. Stadtpolitisch bin ich aktiv als Mitgründerin des Vereins "Bürger für das Welterbe" hier in Kassel. – Nach über zehn Jahren ist es kürzlich, auch Dank des Vereins geschehen: Der Wilhelmshöher Park mit seinen Wasserspielen ist als Unescowelterbe anerkannt worden.



Welche Designerin schätzt Du besonders und was begeistert Dich an ihr ?

Hanna Vedel, dänische Textildesignerin und Weberin. Handwerk und Design gehen bei Ihr gut Hand in Hand. Sie schafft es Handwerklichkeit mit einer besonderen Materialsensibilität in Industrieprodukte zu bringen, ohne daß ihre Stoffe trutschig oder glattgebügelt wirken. Sie scheint sich sehr unabhängig vom Mainstream zu bewegen und hat dabei eine deutliche, etwas raue, Handschrift.



Was tust Du noch gerne ?

Den Pflanzen beim Wachsen zusehen und mich Garten schmutzig machen; reisen, weil es den Horizont erweitert; Filme schauen und darin abtauchen; Tanzen, weil es ein prima Ausgleich zur Arbeit ist.



Welchen Rat würdest Du heute Designerinnen zum Berufseinstieg geben ?

Bewahre Dir kreative Freiräume neben dem beruflichen Arbeiten und sei wachsam, was in der Welt so vor sich geht.

 

 

 

 



 
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