df-Interview | Uta Briegel
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Ein paar Fragen an ...


  Uta Briegel

München

Lo2 Design und Medien
Möbel, Raumkonzepte, Grafik und Internet





Wie begann Dein Weg als Designerin ?

Als ich 16 war und anfing, mich draußen umzusehen, war ich sehr unzufrieden mit dem, was es zu kaufen gab. Ich hatte kein Geld und wollte gerne sehr schick sein und ungewöhnlich. Damals schenkte mir ein Bekannter aus Restbeständen eines ganz noblen Einrichtungshauses 20 Meter Vorhangstoff teuerster Qualität. Der Stoff war kanarienvogelgelb, ganz dicht gewebt und fühlte sich toll an. Ich hatte zwei Schwestern und drei Brüder und ich kleidete sie alle ein. Es waren die 70-ger Jahre. Hosen und Röcke oben knalleng und unten glockenweit. Und wir alle kanarienvogelgelb. Das hat mir gefallen. Ich wollte mehr erreichen. (Designschule München Diplom 1982)



Was gefällt Dir ganz besonders am Designberuf ?

Am Designerin sein gefällt mir, dass es eben nicht nur Beruf ist. Es ist eine Art der Aufmerksamkeit, die vorgefundenen Dinge in Frage zu stellen.



Wo liegen derzeit Deine Arbeitsschwerpunkte und welche Tätigkeiten interessieren Dich darüber hinaus ?

Seit 2003 betreibe ich zusammen mit drei Architektinnen ein Büro für Architektur und Design. Wir nutzen die Synergien, die zwischen unseren Berufsfeldern entstehen. Ich befasse mich mit den kleineren Umbauten von z.B. Bädern und Küchen und bringe dabei auch meine Möbel-Entwürfe ein. Sonst kümmere ich mich um alles, was an Grafik und Präsentation anfällt, sowie um diverse Internetseiten.



An welches Deiner Produkte/Projekte/Konzepte erinnerst Du Dich gerne und warum ?

Für einen großen Esstisch durfte ich mit dem Schreiner das Holz für die Tischplatte aussuchen. Wir wurden fündig im Bayrischen Wald. Ein Sägewerk hatte dort eine Ulme liegen, die dem Ulmensterben in den 60-ger Jahren zum Opfer gefallen war. Danach war Ulmenholz völlig aus der Mode gekommen. Dieser Stamm hatte 40 Jahre auf uns gewartet. Wir haben ihn aufgetrennt und er war perfekt.




Esstisch aus Stahl, Steckkonstruktion, Detail


Spüle aus Lens-Sandstein


Imagekampagne für Yoga: >>Yoga schafft Raum<<

Was inspiriert Dich ?

Der Austausch in einer Gruppe. In Zusammenarbeit mit meiner langjährigen Yogagruppe entstand die Idee für eine Image-Kampagne für Yoga. Wir fanden das Reden über Yoga immer sehr schwer und wollten es von seiner „Heiligkeit" befreien. Es entstand eine Art Spielkarten-Set mit je einem Asana auf einer Karte und einem leicht verständlichen Text: Yoga beflügelt. Yoga beruhigt. Yoga erleuchtet. Yoga macht schlank... als ironische Antwort auf die ewige Frage: Wozu ist diese Übung gut?



Was macht für Dich die Qualität eines gut gestalteten Produktes aus ?

Ich wünsche mir Beständigkeit. Das, was ein Produkt ausmacht, muss für eine lange Zeit gültig bleiben. Eine wichtige Qualität ist deshalb ein guter Alterungs-Prozess der verwendeten Materialien. Das führt mich oft zu Holz, Metall, Stein und Leder. Wenn ich aber über Qualität im Design spreche, meine ich auch die Qualität, die der Arbeitsprozess für mich hat und für meine Umgebung. Ich schaue heute nicht mehr so sehr auf das Produkt, das am Ende vielleicht glänzt, sondern ich achte darauf, wie ich mit wem unter welchen Umständen an dieses Ziel komme. Zum Beispiel musste es möglich sein, so lange die Kinder klein waren, die Waschmaschine und den Mac gleichzeitig im Blick zu haben. Das ging, weil ich mein Büro zu Hause hatte. Ein eher einsamer Job auf die Länge. Aber der Haushalt lief so mit. Heute darf ich mich mit meinen selbst gewählten, schlauen Kolleginnen beraten, wenn ich bei einer Arbeit stecken bleibe. Das ist eine luxuriöse Lebenslage und Qualität in meinen Augen.



Welche Designerin schätzt Du besonders und was begeistert Dich an ihr ?

Im df lernte ich Anke Neumann kennen. Sie schöpft Papier nach überkommener Handwerkstradition und bindet Fiberglas als Lichtquellen mit hinein. Eine wunderbare Melange aus Poesie und Technik. www.lichtpapier.de
Katja Mechtel treffe ich jedes Jahr auf dem Töpfermarkt in Diessen. Sie verfolgt sehr konsequent ihre Reihe gedrehter Keramik aus verschieden farbigen Erden: "Man nehme 200 g, 800 g, 1 kg Ton bzw. das Doppelte, die Hälfte und das Dreifache". Ihre Versuchs-Anordnung ist formal sehr streng und reduziert, ergibt aber eine erstaunliche Vielfalt.  www.katjamaechtel.de



Was tust Du noch gerne ?

Ich liebe den Alltag. Es geht mir gut, wenn ich mir die Zeit einräume jeden Tag die gleiche Strecke an der Isar entlang zu laufen. Dabei geht es mir weniger um Sport, als um die Gegenwart des Flusses und den Wechsel der Jahreszeiten und den sich verändernden Mond. Wenn ich dann noch jemanden finde, der mit mir ein Glas Wein trinkt, fehlt mir nichts. Die Liebe zum Alltag hat auch dazu geführt, dass ich ihn gerne dokumentiere. Das mache ich hauptsächlich mit meiner kleinen Kamera, die ich immer mit mir trage. Aus den gesammelten Dokumenten entstehen im Tunnel der Zeit interessante neue Zusammenhänge und Geschichten. Meine Lust am Fotografieren hat übrigens auch dazu geführt, dass ich fürs df das Projekt faces betreue, aus dessen Reihe die Porträts für dieses Interview stammen.



Hast Du gerade einen tollen (Buch-)Tipp oder ein aktuelles "Fundstück" ?

Murakami Haruki: "Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede." Es handelt davon, wie das Ausüben einer täglichen körperlichen Praxis sich auf sein Werk auswirkt. Eine Zen-Beleuchtung für den Arbeitsalltag.



Welchen Rat würdest Du heute Designerinnen zum Berufseinstieg geben ?

Ich habe oft beobachtet, dass es stimmt, was Ingo Maurer uns bei einer Führung in seinem Showroom ans Herz gelegt hat, um Erfolg zu haben: Konsequenz und keine Kompromisse! Ich habe das nicht befolgt und deshalb kennt die Welt mich nicht. Es hat aber trotzdem Spass gemacht.



Kontakt

www.bel4.de
www.lo2.de

 

Interview 03 / 2014

 

 



 
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