df-Interview | Florina Grünberg-Ernst
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Ein paar Fragen an ...


  Florina Grünberg-Ernst

Ditzingen bei Stuttgart

Grafik-Design





Wie begann Dein Weg als Designerin ?

Vielleicht mit ca. 4 - 5 Jahren. Ich erzählte das Märchen der Regentrude mit meinen eigenen Worten. Meinem Vater, der Grafiker und Schriftsetzer war, gefiel das, und er sagte, wir machen dein eigenes Buch. Ich schreibe deine Worte immer auf eine rechte Seite und auf der linken Seite zeichnest du ein Bild dazu. Dann klebten wir die Seiten zusammen, etwas kleiner als A5 quer. Es war alles in Bleistift, ganz einfach, große Buchstaben und meine Zeichnungen. Das Büchlein gibt es noch.



Was gefällt Dir ganz besonders am Designberuf ?

Dass uns der „Stoff" nicht ausgehen kann. Alles, was uns umgibt oder was wir gebrauchen, als Hilfsmittel einsetzen oder genießen, ist irgendeinmal gestaltet worden. Und es kommt Neues dazu, und Altes wird gelöscht oder auf Eis gelegt... Diese Vielseitigkeit, in die Dinge einzutauchen und Perspektiven ändern zu können, das macht für mich diesen Beruf spannend.



Wo liegen derzeit Deine Arbeitsschwerpunkte und welche Tätigkeiten interessieren Dich darüber hinaus ?

Aus den Vogelzeichnungen mit Feder und Tinte, ursprünglich: „zufällig Vögel”, sind genähte Vogelmagnete aus Stoff geworden – Wortmarke LOVE THE BIRDS®.



An welches Deiner Produkte/Projekte/Konzepte erinnerst Du Dich gerne und warum ?

Vor etwas über 20 Jahren habe ich in München gearbeitet und freiberuflich für verschiedene Museen die Ausstellungsräume mitgestaltet. U.a. die Sauriertafeln in Solnhofen. Sehr interessant, weil ich Tiere gezeichnet habe, die es ja nicht mehr gibt und immer Rücksprache mit Paläontologen gehabt habe. Manchmal denke ich, dass aus der Archaeopteryx-Zeichnung von damals der Beginn meiner Vogelzeichnungen entstanden ist.




Das Spinnenmännchen


Heizspirale


Vogelmagnet

Was inspiriert Dich ?

Oft geschieht es rein zufällig, dass sich meine Gedanken mit einem Gegenstand, einem Ort, einem Text, Musik, Theaterstück, einer Person oder einer Erinnerung verbinden und sich daraus etwas Neues ergibt. Deshalb „streune" ich manchmal auch ganz gerne umher.



Was macht für Dich die Qualität eines gut gestalteten Produktes aus ?

Wenn ich aufmerksam werde und ich spüre, da hat sich jemand echt Gedanken gemacht. Also Qualität setze ich nicht immer mit pragmatischer Funktionalität gleich. Wenn es dann auch noch funktioniert, dann toppt es natürlich erst recht.



Für welche gesellschaftlichen Ziele und Projekte interessierst Du Dich als Designerin oder als Privatperson ?

Das Thema Upcycling interessiert mich und ich lasse es auch in meine Arbeit einfließen. So sind z.B. meine Vogelmagnete aus den Resten von Theater-Kostümstoffen genäht, die man ja sonst wegwerfen würde. Und dann begleitet mich das Wirken und die Sichtbarkeit der Frauen auf der Welt. 1990 haben wir eine interessante Ausstellung im Rathaus Stuttgart gemacht. „Verziert, verschnürt, befreit. Vom Korsett zur lila Latzhose." Über die Mode kann sehr viel sichtbar gemacht werden. Privat bin ich im Vorleseteam für Kinder in unserer Bücherei.



Welche Designerin schätzt Du besonders und was begeistert Dich an ihr ?

Ich habe keine bestimmte Designerin. Die ich mir in letzter Zeit wiederholt anschaue: Die Arbeiten der französischen Illustratorin Gaelle Boissonnard gefallen mir. Die Künstlerin Dr. Karin Ströbel hat letztens in einem Künstlergespräch im Kunstwerk Nußdorf über ihre Arbeit auf Reisen beeindruckend berichtet. Und dann möchte ich noch Susanna Stammbach nennen. Ich habe sie auf „Tage der Typografie" kennengelernt. Sie ist eine fabelhafte Buchstaben- und Schriftregisseurin.



Was tust Du noch gerne ?

Schauen und Hören.



Hast Du gerade einen tollen (Buch-)Tipp oder ein aktuelles "Fundstück" ?

Peter Bieri: Wie wollen wir leben?
Michael Hampe: Das vollkommene Leben. Vier Meditationen über das Glück
Barbara Vinken: Die deutsche Mutter – Der lange Schatten eines Mythos



Welchen Rat würdest Du heute Designerinnen zum Berufseinstieg geben ?

Den roten Faden ihrer Gestaltungsarbeit zu finden und diesen nicht aus den Augen verlieren. Egal wie klein der gestalterische Funken ist. Davon überzeugt sein. Sehr gut ist eine rhetorische Weiterbildung, um auch mit Worten genauso gestalten zu können. Das gibt Raum, Beweglichkeit und Stand.



Kontakt

www.florinagruenberg.de

 

Interview 04 / 2014

 

 



 
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